Ratgeber
Kräuterbonbons: 5 Sorten im Vergleich
Salbei, Thymian, Eukalyptus, Malve, Spitzwegerich — fünf Kräuter, fünf sehr unterschiedliche Bonbons. Wer sie nebeneinander lutscht, merkt schnell, dass „Kräuterbonbon" keine Geschmacksrichtung ist, sondern eine Familie. Wir kochen sie seit 1949 in Duisburg und beschreiben hier, was die fünf voneinander unterscheidet.
Warum die Kräuternote im Bonbon anders wirkt als im Tee
Ein Aufguss ist in zwei Minuten getrunken. Ein Bonbon bleibt zehn bis fünfzehn Minuten im Mund. In dieser Zeit löst sich die Masse langsam auf und gibt den Kräuterauszug nach und nach ab — der Geschmack baut sich auf, kippt in der Mitte und klingt lange nach. Das ist der Grund, warum dieselbe Pflanze im Bonbon ganz anders schmeckt als in der Tasse: Man nimmt sie nicht in einem Schluck wahr, sondern über eine Viertelstunde.
Damit davon überhaupt etwas ankommt, muss die Kochtemperatur stimmen. Ätherische Öle sind flüchtig; bei über 150 Grad ist der größte Teil weg, bevor die Masse in der Form liegt. Wir kochen deshalb im Vakuumverfahren bei rund 80 Grad. Das ist langsamer und aufwendiger, aber es ist der Unterschied zwischen einem Bonbon, das nach Kraut schmeckt, und einem, das nach Kräuteraroma schmeckt.
Salbei — der Klassiker
Salbei (Salvia officinalis) ist die Sorte, nach der bei uns am häufigsten gefragt wird. Geschmacklich sitzt er genau in der Mitte des Feldes: würzig, leicht bitter, mit einer harzigen Tiefe, die von den ätherischen Ölen der Blätter kommt. Kein Bonbon, das man nebenbei isst — aber auch keines, das im Mund explodiert.
Salbei ist eine der ältesten Kulturpflanzen Europas und stand in jedem Klostergarten. Der Name kommt vom lateinischen salvare. Wer die Blätter zwischen den Fingern reibt, riecht genau das, was später im Bonbon steckt.
Charakter: würzig-herb, mittlere Intensität, langer Nachhall
Thymian — der Würzige
Thymian (Thymus vulgaris) ist die kräftigste der drei „grünen" Sorten. Sein prägender Bestandteil ist Thymol, das ihm die charakteristische, fast pfeffrige Schärfe gibt. Im Bonbon zeigt sich das als deutliche Würze, die nach dem ersten süßen Anflug durchkommt und dann stehen bleibt.
In der mediterranen Küche ist Thymian allgegenwärtig, in der deutschen Bonbontradition dagegen ein Nischenkraut — was schade ist, denn kaum eine Sorte polarisiert so angenehm. Wer Kräuterbonbons bisher „zu lasch" fand, fängt hier an.
Charakter: würzig-scharf, hohe Intensität, trockener Abgang
Eukalyptus — der Intensivste
Eukalyptus (Eucalyptus globulus) ist die einzige der fünf Sorten, die man nicht nur schmeckt, sondern spürt. Der Grund ist 1,8-Cineol: Es reizt dieselben Kälterezeptoren wie Menthol, weshalb der Mund beim Lutschen kühl wird und der nächste Atemzug kühler erscheint, obwohl sich an der Luft nichts geändert hat. Ein Sinneseindruck, keine Veränderung im Körper.
Geschmacklich ist Eukalyptus kompromisslos: klar, kühl, leicht kampferartig. Bei uns gibt es ihn als Euka-Menthol-Bonbon, in dem sich beide Kühlnoten ergänzen.
Charakter: kühl-klar, sehr hohe Intensität, spürbarer Frischeeffekt
Malve — die Milde
Malve (Malva sylvestris) ist der Gegenentwurf zu Eukalyptus. Sie schmeckt blumig, weich, ganz leicht süßlich, ohne jede Schärfe. Die Blüten geben der Masse außerdem eine zarte Farbe, die von keinem Farbstoff kommt.
Malve ist die Sorte für alle, denen Kräuterbonbons sonst zu streng sind — und traditionell die, die Kindern zuerst angeboten wird.
Charakter: blumig-mild, geringe Intensität, weicher Abgang
Spitzwegerich — der Erdige
Spitzwegerich (Plantago lanceolata) wächst an jedem Wegrand und ist geschmacklich der eigenwilligste der fünf: erdig, leicht heuartig, mit einer grünen Note, die an frisch gemähte Wiese erinnert. Wer ihn zum ersten Mal probiert, ordnet ihn selten sofort ein — und mag ihn danach meistens.
Zusammen mit Malve bildet er das milde Ende unseres Sortiments, ist aber deutlich markanter im Charakter.
Charakter: erdig-grün, geringe bis mittlere Intensität
Die fünf Sorten im direkten Vergleich
| Sorte | Geschmack | Intensität | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Malve | blumig, weich, leicht süßlich | gering | Einsteigern und Kindern |
| Spitzwegerich | erdig, grün, heuartig | gering bis mittel | wer etwas Ungewohntes sucht |
| Salbei | würzig-herb, harzige Tiefe | mittel | dem klassischen Kräutergeschmack |
| Thymian | würzig, fast pfeffrig | hoch | wer es kräftig mag |
| Eukalyptus | kühl, klar, kampferartig | sehr hoch | dem Frischekick |
Wer sich nicht entscheiden mag: In unserer Kräuterbonbon-Kategorie stehen alle Sorten nebeneinander, und die klassische Kräutermischung vereint mehrere davon in einem Bonbon.
Woran man ein gutes Kräuterbonbon erkennt
- Extrakt statt Aroma. Auf der Zutatenliste steht entweder ein Pflanzenauszug oder „Aroma". Das ist der größte einzelne Qualitätsunterschied, und er kostet nichts, ihn nachzulesen.
- Keine künstlichen Farbstoffe. Kräuterauszüge färben von selbst. Ein sehr kräftiges Grün kommt selten von der Pflanze.
- Das Kochverfahren. Vakuumkochen bei rund 80 Grad erhält die ätherischen Öle, die bei über 150 Grad verfliegen.
- Kleine Chargen. Wir kochen von Hand im Kupferkessel. Das begrenzt die Menge, macht aber jede Charge kontrollierbar.
Was ein Kräuterbonbon ist — und was nicht
Kräuterbonbons sind Süßwaren. Sie schmecken nach dem Kraut, aus dem sie gemacht sind, und sie sind angenehm zu lutschen — mehr versprechen wir nicht, und mehr dürften wir auch gar nicht versprechen. Wer eine Wirkung gegen Beschwerden sucht, ist in der Apotheke richtig, nicht in der Bonbonmanufaktur. Unsere Apothekenprodukte sind ein eigener Bereich mit eigenen Regeln.
Was wir dagegen guten Gewissens sagen können: Ein Bonbon aus echtem Kräuterauszug schmeckt anders als eines aus Aroma, und dieser Unterschied ist der Grund, warum es uns seit 1949 gibt.
Dieser Artikel beschreibt Geschmack, Herkunft und Herstellung unserer Kräuterbonbons. Sie sind Süßwaren — gemacht, um zu schmecken.
Alle fünf Sorten probieren
Handgemacht in Duisburg seit 1949 — mit echten Kräuterextrakten, im Kupferkessel gekocht.
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